Gibt es einen Unterschied zwischen Fort- und Weiterbildung?

Castellan Unterschied Fort und Weiterbildung

[Fortbildung und Weiterbildung – die Unterschiede]

Die Begriffe Fortbildung und Weiterbildung werden im alltäglichen Sprachgebrauch gerne vermengt und so benutzt, als ob sie austauschbar wären. Zumindest aus fachlicher Sicht besteht jedoch eine klare Abgrenzung zwischen den Bildungsmaßnahmen. Beide qualifizieren weiter – doch mit unterschiedlichem Inhalt, mit unterschiedlichem Ziel und vor unterschiedlichem Hintergrund. Und nicht zuletzt wirken sich diese Unterschiede auch rechtlich gesehen im gesetzgeberischen Rahmen aus.

FORTBILDUNG gehört neben den Bereichen der Berufsausbildungsvorbereitung, der Berufsausbildung sowie der beruflichen Umschulung zur Berufsbildung, also der Vermittlung allen theoretischen und praktischen Wissens, das zur Ausübung einer bestimmten beruflichen Tätigkeit befähigt. Sie ist somit eine berufsspezifische Bildungsmaßnahme. Mit einer Fortbildung qualifiziert man sich konkret in seinem Job weiter, erwirbt zusätzliche und neue Fähigkeiten, die am aktuellen Arbeitsplatz – bei Aufstieg oder Stellenwechsel am neuen Arbeitsplatz – gebraucht werden und erforderlich sind.

In Deutschland regelt das Berufsbildungsgesetz (BBiG) die Berufsbildung, abgesehen von bestimmten Sonderfällen. § 1 Abs. 4 BBiG legt dabei als Aufgabe und Ziel der beruflichen Fortbildung fest, es zu ermöglichen, »die berufliche Handlungsfähigkeit zu erhalten und anzupassen oder zu erweitern und be
ruflich aufzusteigen«. Der Bereich der Fortbildung lässt sich demnach weiter unterteilen in:

  • Erhaltungsfortbildung – Auffrischen von bereits vorhandenem Wissen und Können
  • Anpassungsfortbildung – Fähigkeiten und Kenntnisse auf den neusten Stand bringen
  • Erweiterungsfortbildung – Erwerb vertiefter oder zusätzlicher Qualifikationen
  • Aufstiegsfortbildung – Vorbereitung für eine höhere oder bessere Position

Fortbildung erfolgt im Rahmen öffentlich zugänglicher Bildungsmaßnahmen und ist häufig mit dem Erwerb von formalen Qualifikationen und Abschlüssen verbunden. Die Kosten übernimmt in den meisten Fällen der Arbeitgeber, der an der Fortbildung seiner Mitarbeiter ein gesteigertes Interesse haben muss und anschließend auch seinen Nutzen daraus zieht.

Mit einer WEITERBILDUNG wird zunächst kein konkreter betrieblicher Zweck verfolgt; sie muss nicht in einem direkten Bezug zum bestehenden Job stehen. Vielmehr geht es darum, das eigene persönliche Qualifikationsprofil durch zusätzliche Kenntnisse und Fertigkeiten zu erweitern. Dies schließt nicht aus, dass die Weiterbildung eine bereits vorhandene berufliche Vorbildung vertieft oder ergänzt – dann spricht man von beruflicher Weiterbildung. Unter betrieblicher Weiterbildung wiederum versteht man, wenn die Weiterbildung nicht auf Eigeninitiative beruht, sondern vom Unternehmen ausgeht und im Unternehmenskontext erfolgt.

Weiterbildung ist eine Ausprägung des lebenslangen oder lebensbegleitenden Lernens und findet in organisierter Form statt. Auch Weiterbildung kann berufliche Perspektiven eröffnen. Weiterbildungsmaßnahmen werden in der Regel zertifiziert, bedürfen aber nicht zwangsläufig einer förmlichen Anerkennung oder eines bestimmten, festgelegten Curriculums. Im Rahmen betrieblicher Weiterbildung wird der Arbeitgeber die Kosten übernehmen, in allen anderen Fällen steht es ihm frei, vor allem wenn kein direkter Unternehmensnutzen erkennbar ist.

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat Anspruch auf bezahlten Bildungsurlaub, den er für eine Fortbildung oder eine Weiterbildung nutzen kann. Bildungsurlaub – oft auch Bildungsfreistellung genannt – ist vom Erholungsurlaub zu trennen und kann nicht damit verrechnet werden. Aufgrund der Kulturhoheit der Bundesländer gibt es auf Länderebene voneinander abweichende Rechtsvorschriften. Bildungsmaßnahmen zur Fortbildung oder Weiterbildung können darüber hinaus öffentlich gefördert sein, vor allem wenn für den Arbeitnehmer eine bessere individuelle Wettbewerbsstellung auf dem Arbeitsmarkt bewirkt wird, und ggfs. steuerliche Vorteile mit sich bringen. Bietet der Arbeitgeber eine Fortbildung oder Weiterbildung an oder übernimmt die Kosten dafür, wendet er dem Arbeitnehmer einen geldwerten Vorteil zu, der aber bei betrieblichem Interesse steuerfrei bleibt.

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